
Ausgabe No. 4 | 2026: Hinter der Brandmauer
Bekanntlich hat Georg Büchner seinen Zeitgenossen eindringlich den höllischen Glutkern der Französischen Revolution zur Anschauung gebracht. Allerdings geschieht das nicht in seiner Flugschrift Der Hessische Landbote, die mit der berühmt gewordenen Parole »Friede den Hütten! Krieg den Palästen!« anno 1834 zum Aufstand im Großherzogtum Hessen-Darmstadt anstacheln wollte, sondern in Büchners erstaunlicherweise nur ein Jahr später publiziertem Drama Dantons Tod. Ihrem Selbstverständnis nach waren die Jakobiner nicht bloß die radikalste politische Partei der Revolution, sondern eine in die menschliche Gesellschaft transponierte Naturgewalt. Nach welchen gleichermaßen gnadenlosen wie unumstößlichen Gesetzen die Jakobiner handelten, hat niemand besser auf den Punkt gebracht als der »Todesengel« St. Just, den Büchner in einer Rede vor dem Nationalkonvent sagen läßt: »Die Natur folgt ruhig und unwiderstehlich ihren Gesetzen; der Mensch wird vernichtet, wo er mit ihnen in Konflikt kommt. […] Ich frage nun: soll die geistige Natur in ihren Revolutionen mehr Rücksicht nehmen als die physische? Soll eine Idee nicht ebensogut wie ein Gesetz der Physik vernichten dürfen, was sich ihr widersetzt? Soll überhaupt ein Ereignis, was die ganze Gestaltung der moralischen Natur, das heißt der Menschheit, umändert, nicht durch Blut gehen dürfen?« Büchners Quelle für solch diabolische Phrasen waren die publizierten Redeprotokolle des Konvents. So wie St. Just spricht und auf sein Wort hin die Guillotine sprechen läßt, haben nach ihm alle Revolutionäre in Moskau, Peking und Ostberlin gesprochen und gehandelt. Mancherorts tun sie das bis zum heutigen Tag. Und überall fraß die Revolution ihre Kinder. Nachdem St. Just vom Fallbeil seines Tollkopfes beraubt worden war, verschwand der »wissenschaftliche Beweis« für die Notwendigkeit einer Revolution keineswegs aus der Welt. Im Gegenteil. Erst Karl Marx und Friedrich Engels brachten die Chose so richtig in Schwung. Beide Herren nahmen für sich in Anspruch, nichts weniger als das Gesetz der Geschichte erkannt zu haben. Ihrem »wissenschaftlichen Sozialismus« zufolge war der Kommunismus keine Utopie, sondern sein Erscheinen hienieden so sicher wie der tägliche Sonnaufgang. Aber auch nach dem totalen Scheitern der marxistischen Heilslehren gibt sich die »ewige Linke« nicht geschlagen. Gegenwärtig hat sie die Apokalypse zu ihrem perfiden Geschäftsmodell gemacht. Mit der Parole »Follow the science« haben gewissenlose »Klimawissenschaftler« die Gutgläubigkeit von jungen Menschen mißbraucht und sogar das bundesdeutsche Verfassungsgericht erobert. Georg Büchner hat seine Laufbahn als revolutionärer Schriftsteller begonnen, allerdings schnell erkannt, auf welchen Holzweg er geraten war. Seine dramatischen Werke sind bleibende Zeugnisse ehrlicher Selbstkritik. Büchner, der schon mit 23 Jahren starb, hatte den Mut zur Umkehr. Dieser Mut sollte den Fehlgeleiteten von heute Vorbild sein.
Ihr Ingo Langner
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