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Ausgabe No. 1 | 2021: Das Editorial

Als uns Margot Käßmann jüngst zum Verzicht auf gemeinsame Weihnachtsfeiern aufforderte, belehrte sie uns, daß auch Josef und Maria allein gewesen seien. Neben »Corona« gibt es natürlich weitere wichtige Themen, und so fehlte eigentlich der Hinweis, daß die Mutter Gottes auch kein Auto mit Verbrennungsmotor fuhr und keine Plastiktüten besaß. Zum Glück hat Margot Käßmann nicht das knappe Gut Toilettenpapier erwähnt, dessen Lieferbarkeit Peter Altmaier noch garantierte, bevor uns Jens Spahn erklärte, daß es gar kein Recht auf Toilettenpapier gibt. Wie sich die Ereignisse überstürzen! Zwischen Norbert Blüms Garantie der gesetzlichen Renten von 1986 und ihrer 2005 eingeführten Besteuerung lagen immerhin fast zwanzig Jahre.

Während in Berlin fast täglich Autos abgefackelt werden, wurde am 21. November 2020 in Leipzig ein »Corona-Skeptiker« von mehreren »Vermummten« beinahe totgetreten. Rund eine Milliarde Euro gibt der Bund in den nächsten vier Jahren für den »Kampf gegen Rechtsextremismus« aus. Das betrifft auch Corona- Skeptiker, die zunehmend als Demokratiefeinde gelten. Besteht das gewöhnliche Menschsein künftig aus lauter Ordnungswidrigkeiten? Wird Minister Scholz nach der Lufthoheit über die Kinderbetten auch die über unsere Eßtische einfordern? Offenbar soll man sich entscheiden, ob man eine Art Gott sein will oder eine Ameise, ob man das Weltklima retten, globale Gerechtigkeit herstellen und Corona besiegen will – oder ob man sich all dessen enthält, was schon schlimm genug wäre. Jedes politische Modethema kommt mit einem absoluten Wahrheitsanspruch daher und fordert die konsequenteste praktische Beachtung ein. Der Bekenntniszwang erzeugt bei Gutwilligen ein ständiges Gefühl des Ungenügens und Versagens. »Beichten« kann man Zeitgeistsünden aber auch nicht, ohne ins gesellschaftliche Abseits zu geraten. Die Wahl heißt »Anpassung oder Gefährdung der eigenen Existenzgrundlage«. Bekommen wir bald chinesische Verhältnisse mit totaler Sozialkontrolle? Wie die KP-China nach der Weltmacht greift, berichtet in dieser Ausgabe Marco Gallina.

Der Eröffnungsbeitrag widmet sich »Corona« als Anlaß, aber auch als Symptom einer gar nicht so neuen Transformation. Die pompösen Appelle und Aktionen, mit denen sie auftritt, täuschen leicht darüber hinweg, daß der »Great Reset« materiell und ideologisch tief in jener Epoche wurzelt, von der wir uns verabschieden sollen. Auch das deutsche Bürgertum begeistert sich so sehr für den globalen Umbau, daß es einmal mehr das Abräumen von Grundrechten gutgläubig duldet oder ihm sogar applaudiert. Aus der Perspektive von Hans-Georg Maaßen durchzieht der Mangel an Immunität gegen den Linksradikalismus die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland seit ihrer Gründung, und der amerikanische Slawist Gary Saul Morson beschreibt das gleiche Unvermögen der bürgerlichen Liberalen, sich vor der Russischen Revolution gegen den Terror zu wehren, der auch sie selbst zum Ziel hatte. In dieser Tradition war es kein Wunder, daß unser weit nach links gerückter Bundespräsident am Tag der Deutschen Einheit 2020 das Kaiserreich von 1871 angriff, von dessen kulturellen, ökonomischen und wissenschaftlichen Welterfolgen wir bis heute zehren. Ebendeshalb verteidigt Michael Klonovsky entgegen allen Schmähreden »das beste Deutschland, das es je gab«. Ihnen, unseren treuen Lesern, wünsche ich − trotz allem − ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes neues Jahr! Ihr
Andreas Lombard

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HEFTVORSCHAU

CATO No. 1|2021

Inhaltsverzeichnis

Cato Nr. 1|2021
Artikel_01

FREIHEIT STATT
SOZIALISMUS

von Andreas Lombard

Hinter den Corona-Kulissen machen sich Umverteilung und Entmündigung an die Arbeit. Die reale Welt soll digitalisiert und tributpflichtig werden. Aber die Große Transformation ist ihrerseits ein Luftschloß aus der Epoche der fossilen Energieträger, die sie überwinden soll.

Artikel_02

HEIMKEHR NACH
ITHAKA

Cato-Interview mit Hans-Georg Maaßen

»Politiker sind qua Amt in erster Linie Sachwalter öffentlicher Interessen und nicht ihrer eigenen. In Deutschland leben aber inzwischen viele Politiker von ihrem Amt oder Mandat und sind damit in erster Linie Sachwalter ihrer eigenen Interessen. Das ist ein grundlegendes Problem.«

Artikel_03

VOM ENDE
DER KULTUR

von Karlheinz Weißmann

Carl Schmitt hat von der »großen Parallele« gesprochen, die seit dem 18. Jahrhundert ein Leitthema westlicher Debatten wurde. Dessen Schlüsselbegriff ist Dekadenz. Ganz allgemein wird darunter der Prozeß des Niedergangs eines vom Menschen geschaffenen Systems verstanden.

Artikel_04_NEU

SIE BRAUCHEN
UNS NICHT

von Marco Gallina

Allmählich entdecken Europas Politiker, daß China nicht in erster Linie eine politische und ökonomische, sondern eine zivilisatorische Herausforderung ist. Chinas Griff nach der Weltmacht wird nicht zum erstenmal unterschätzt. In die Rolle des Kaisers sind die Kommunisten geschlüpft.

Artikel_05

DIE GRENZEN
DER EINSICHT

von Thomas Hoof

Der Verleger Thomas Hoof hat kein bestimmtes »Erkenntnisziel« vor Augen, er will auch nicht die »letzten Dinge« klären. Er wendet sich vielmehr mit Spinoza gegen Wissenschaften, »die so Sonderbares der Natur andichten, als sei sie schon zusammen mit ihnen rein verrückt geworden«.

Artikel_06

VERTEIDIGUNG EUROPAS
AUF DEM DORFE

von Karl August Müller

Im fränkischen Arnstein bei Würzburg findet sich nicht nur ein grandioses Fresko der Seeschlacht von Lepanto, die sich 2021 zum 450. Male jährt, auch der Tod in Venezuela des Philipp von Hutten, Verfasser des ersten Briefes aus der Neuen Welt nach Deutschland, ist hier verewigt.

Artikel_09

DAS BESTE DEUTSCHLAND,
DAS ES JE GAB

von Michael Klonovsky

Vor 150 Jahren, am 18. Januar 1871, wurde das Deutsche Reich gegründet. Da es als »Wegbereiter« des nationalsozialistischen »Dritten Reiches« kanonisiert werden soll, häufen sich die Schmähungen, die sich derzeit über das Kaiserreich ergießen. Es wird Zeit für eine Hagiographie.

Artikel_08

DAS FLÜCHTIGE UND
DAS DAUERNDE

von David Engels

Sie wurde vertrieben, zerteilt, geplündert und dezimiert: von der zaristischen Autokratie, von den französischen Kommunarden, von den nationalsozialistischen Besatzern, von der eigenen kommunistischen Regierung. Und doch erstrahlt die Krakauer Sammlung Czartoryski in neuem Glanz.

ANDREAS LOMBARD

Chefredakteur

Geboren 1963 in Hamburg, ist Andreas Lombard deutsch-französischer und jüdisch-ungarischer Abstammung. Nach dem Studium der Philosophie, Germanistik und Geschichte in Heidelberg und Berlin war er als freier Journalist tätig. Im Jahre 2005 gründete er den Landt Verlag, der heute ein Imprint des Verlags Manuscriptum ist, den er bis 2017 leitete. 

Lombard wurde 2007 von der Förderstiftung »Konservative Bildung und Forschung« und der Wochenzeitung Junge Freiheit mit dem Gerhard-Löwenthal-Preis für Journalisten ausgezeichnet und ist Autor mehrerer Bücher.