21-2_CATO

Ausgabe No. 2 | 2021: Das Editorial

Die Corona-Maßnahmen wirken zunehmend wie von Außerirdischen ersonnen, die die Erde erobert haben und jetzt nicht so recht wissen, wie sie mit all dem zweibeinigen Gewusel umgehen sollen. Cato hat ihre Verhältnismäßigkeit von Anfang an bezweifelt, und nun zeigt sich, wie richtig das war. Während die Infektionszahlen sinken, wird die Lockdown-Propaganda gesteigert. Die Welt schrieb online, daß das Bundesinnenministerium (BMI) bereits im Frühjahr 2020 Forscher bat, »ein [Rechen-]Modell zu erarbeiten, auf dessen Basis ›Maßnahmen präventiver und repressiver Natur‹ geplant werden könnten. Nicht irgendwelche Forscher, sondern solche des Robert-Koch-Instituts, des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung, des Instituts der deutschen Wirtschaft, der Stiftung Wissenschaft und Politik und mehrerer Universitäten. Sie alle machten gern mit. (…) Wenn aber die Wissenschaft zum verlängerten Arm der Politik wird, läuft etwas gehörig schief.« Die Kanzlerin hält unbeirrt an ihrer Corona-Strategie fest, obwohl, wie Tichys Einblick zitiert, das BMI bereits in dem erwähnten Papier davon ausging, daß im schlimmsten Falle »das BIP um 32 Prozent einbrechen [würde], die Industrie um 47 Prozent. Bei weiteren sich verstärkenden Zweitrundeneffekten und sich festsetzenden Negativerwartungen wäre eine beschleunigte Abwärtsdynamik nicht auszuschließen. Dieses Szenario kommt einem wirtschaftlichen Zusammenbruch gleich, dessen gesellschaftliche und politische Konsequenzen kaum vorstellbar sind.« Wenn sich erhärtet, daß nicht die Politik »der Wissenschaft« folgt, sondern die Wissenschaft den Vorgaben der Regierung, wäre ein Rücktritt aller politisch Verantwortlichen nur konsequent.
Außerirdische kennen die Menschen nicht, und sie verstehen sie nicht. Die Verbote und Grundrechtseingriffe, mit denen sie das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben abtöten, knüpfen an eine schon länger obwaltende Radikalität an, mit der lauter »fortschrittliche« gesellschaftliche »Projekte« angetrieben wurden und werden. Von der Lebenswirklichkeit der meisten Bürger sind sie denkbar weit entfernt, und wie oft wird sogar damit geprahlt, diese gezielt zerstören zu wollen. Das gilt für die traditionelle Familie wie für die klassische Architektur. Léon Kriers Beitrag »Bauen, was lebt« zeigt, daß die modernistische Architektur weltweit ohne demokratische Legitimation durchgesetzt wurde. Ohne Unterlaß bekämpfen modernistische Architekten die ästhetische Tradition. Für das traurige Antlitz vieler Städte wie für die Zerstörung der Familie gilt, daß möglichst niemand innehalten und fragen soll, warum sich das, was da fleißig dekonstruiert wird, in grauer Vorzeit durchgesetzt hat. Die Menschheit gibt es ja nicht erst seit 1789 oder 1949, und billige Rohbauten hätte auch das Mittelalter für schön ausgeben können − wenn es denn gewollt hätte.
Auf die Scharlatanerie des Neuen antwortet der Konservative mit bewährten Rezepten für gelingendes Leben. Schon Janoschs Kinderbuch Oh, wie schön ist Panama erzählte die Odyssee der Moderne als einen Aufbruch ins Gelobte Land, der unbemerkt in die eigene, herrliche Heimat zurückführt. Wenn sich dieses Cato-Heft dem Geschichtsdenken widmet, der Neurologie oder unseren Kindern, lautet die Lehre solcher Beiträge, daß wir bleiben sollten, wer und was wir sind. Nehmen wir die Außerirdischen bloß nicht zu ernst, die eines schönen Tages wieder abreisen werden,
findet Ihr

Andreas Lombard

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HEFTVORSCHAU

Inhaltsverzeichnis

Cato Nr. 2|2021
Artikel_01

ARME
KINDER

von Gabriele Kuby

Das Wohl unserer Kinder ist heute vielfach bedroht – vor allem durch Vorkommnisse, die immer mehr Erwachsene für nahezu selbstverständlich zu halten scheinen, wie Abtreibung, Scheidung oder eine „emanzipatorische“ Sexualpädagogik. All das schwächt die Familie empfindlich.

Artikel_02

DAS GENOM, DIE NEUROLOGIE & DIE KULTUR

von Johannes Huber

Es gibt epigenetische Anhaltspunkte dafür, daß auch seelische Erfahrungen vererbt werden. Die Entwicklung eines Individuums wird schon in der Schwangerschaft und den ersten Lebensjahren geformt. Das prägt die kollektiven Bewußtseinsinhalte der Gesellschaft.

Artikel_03

EIN RICHTIGES LEBEN
IM FALSCHEN

von Johann Leonhard

Anetta Kahane leistet Widerstand, seit sie denken kann. Erst in der DDR und heute in der Bundesrepublik Deutschland. Derzeit ist die Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung eine wichtige Akteurin im staatlichen Kampf gegen rechts. Indes, ein Sieg ist nicht abzusehen.

Artikel_04

DIE UNRUHIGEN STAATEN
VON AMERIKA

von Russel Ronald Reno

Amerika ist in Aufruhr. Das ist offensichtlich. Doch was bedeuten die aktuellen Konflikte? Unser Autor, einer der führenden konservativen Publizisten der USA, spricht der Rechten die Fähigkeit zur Integration ab. Doch welche Rolle spielt dabei die Dominanz der Linken?

Artikel_05

DER
KULTURKÄMPFER

von Jürgen Liminski

Der Publizist Éric Zemmour ist in Frankreich auch durch seine TV-Präsenz mit mehr als einer halben Million Zuschauer eine politische Größe. Für die »Kaviar-Linken« ist er eine Reizfigur. Für die wertkonservativen Franzosen wäre Zemmour der ideale Präsidentschaftskandidat.

Artikel_06

BAUEN,
WAS LEBT

von Léon Krier

Seit Jahrzehnten wird die Architektur weltweit von einem modernistischen Brutalismus beherrscht. Überall hat sich der notdürftig verkleidete Rohbau als Gift für die Demokratie, das Gemeinwohl und die Ökologie erwiesen. Die gebaute Umwelt braucht wieder ein menschliches Antlitz.

Artikel_07

VOM WERT
DES GERICHTS

von Karlheinz Weißmann

Der Historiker Magnus Brechtken betrachtet die Geschichte der Menschheit als einen Fortschrittsprozeß, der schon immer auf eine Gegenwart wie die der Bundesrepublik ausgerichtet war. Sein Entwurf hat große blinde Flecken.

Artikel_08

KARFREITAG UND OSTERN
AUF KORFU

von Kaiser Wilhelm II

Jeweils im Frühling der Jahre 1908, 1909, 1911, 1912 und 1914 weilte Wilhelm II. auf Korfu. Begleitet wird seine plastische Beschreibung des dort erlebten Osterfestes von Jörg Michael Henneberg mit einem Text über die professionellen archäologischen Grabungen des Kaisers.

ANDREAS LOMBARD

Chefredakteur

Geboren 1963 in Hamburg, ist Andreas Lombard deutsch-französischer und jüdisch-ungarischer Abstammung. Nach dem Studium der Philosophie, Germanistik und Geschichte in Heidelberg und Berlin war er als freier Journalist tätig. Im Jahre 2005 gründete er den Landt Verlag, der heute ein Imprint des Verlags Manuscriptum ist, den er bis 2017 leitete. 

Lombard wurde 2007 von der Förderstiftung »Konservative Bildung und Forschung« und der Wochenzeitung Junge Freiheit mit dem Gerhard-Löwenthal-Preis für Journalisten ausgezeichnet und ist Autor mehrerer Bücher.